Folge 02 – Blick über den Tellerrand: Die Schalker Fan-Initiative

Im Rahmen unseres Auswärtsspiels in Bochum im Februar, waren wir bei der Schalker Fan-Initiative e.V. (https://www.fan-ini.de/ ) zu Gast. Bei Bier und Pizza tauschten wir uns auf der „Schalker Meile“ über das aus, was uns in Hamburg und Gelsenkirchen gleichermaßen bewegt: Die Arbeit gegen Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Sexismus im Fußballumfeld. Ein Austausch, an dem wir Euch gerne teilhaben lassen möchten.

In unserer Folge 02 unterhalten sich Simon und Julius mit Sven von der „Fanini“ über die Geschichte des Vereins, der 1992 unter dem Motto „Schalker gegen Rassismus“ entstand,  und die aktuelle Situation in Gelsenkirchen.

Wir wünschen euch viel Spaß beim Hören!

Folge 01 – Hamburger Fußball im Nationalsozialismus

„Hamburger Fußball im Nationalsozialismus. Einblicke in eine jahrzehntelang verklärte Geschichte.“ ist der Titel einer Wanderausstellung der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, die zum ersten Mal 2016 im Hamburger Rathaus gezeigt wurde. Wir sprechen mit Paula, die an der Erarbeitung der Ausstellung beteiligt war, über diese Geschichte. Welche Rolle spielte der Fußball im Nationalsozialismus? Wer konnte damals überhaupt Fußball spielen? Was lässt sich über den HSV zu dieser Zeit sagen?

Wir wünschen viel Spaß beim Hören, und empfehlen euch einen Besuch der KZ-Gedenkstätte Neuengamme: https://www.kz-gedenkstaette-neuengamme.de/

Kleine Berichtigung: Das erste Endspiel um die deutsche Fußballmeisterschaft fand 1903 nicht in Hamburg statt, sondern im benachbarten Altona, das zur der Zeit noch eigenständig war.

Kleine Berichtigung Teil II zu den Olympischen Spielen 1936, bei denen keine jüdischen Sportler*innen für Deutschland antreten durften: Der Vollständigkeit halber seien Helene Mayer und Rudi Ball als Olympionik*innen erwähnt. Diese wurden von den Nazis nach den Nürnberger Rassegesetzen als sogenannte „Halbjuden“ eingestuft. Sie wohnten Mitte der 1930er Jahre nicht mehr in Deutschland, kamen für die Olympischen Spiele zurück, wurden allerdings vom Großteil der jüdischen Gemeinschaft nicht als ihre jüdischen Vertreter*innen wahrgenommen. Mehr zum Thema z.B. bei Henry Wahlig (2015): Sport im Abseits: Die Geschichte der jüdischen Sportbewegung im nationalsozialistischen Deutschland.

Netzwerk – Der Podcast vom Netz E

Liebe HSVer*innen,

mit „Netzwerk – Der Podcast vom Netz E“ startet das Netzwerk Erinnerungsarbeit ein eigenes Podcast-Format. In regelmäßigen Abständen wird sich unser Moderatoren-Team mit Gästen zu den vielfältigsten Themen rund um Antidiskriminierungs- und Erinnerungsarbeit im Fußballkontext – natürlich mit speziellem Fokus auf unseren HSV – austauschen.

In Folge 0 stellen wir nicht nur uns und die Idee hinter dem Podcast vor, sondern geben auch einen ersten Einblick in die Arbeit des Netzwerks. Als Gast steht dankenswerterweise Annabell – Netz E-Mitstreiterin der ersten Stunde – Rede und Antwort.

Viel Spaß beim Hören!

Täterschaften im Nationalsozialismus – Eine Projektfahrt (nicht nur) über Otto „Tull“ Harder

Otto „Tull“ Harder ist in den 1920er Jahren einer der bekanntesten deutschen Fußballspieler und Idol beim HSV. Im Sommer 1933 geht er zur SS, arbeitet ab 1939 als KZ-Aufseher und leitet später zwei verschiedene Außenlagern des KZ-Neuengamme als Lagerführer. Wir wollen nach Hannover fahren und uns diese Orte angucken. Was lernen wir dort über das Außenlager-System und die Motivationen und Handlungsspielräume von Männern wie Harder? Was für andere Formen von Täterschaften im Nationalsozialismus hat es noch gegeben? Was erzählen Überlebende von den Zuständen in den verschiedenen Lagern? Wie wird heute an den unterschiedlichen Orten der ehemaligen Lager in Hannover mit der nationalsozialistischen Vergangenheit umgegangen? Wie wünschen wir uns eine Erinnerungsarbeit beim HSV?Neben den ehemaligen Außenlagerorten werden wir die Gedenkstätte Ahlem besuchen sowie uns mit Teilen des Arbeitskreises „Ein Mahnmal für das Frauen-KZ in Limmer“ treffen.

Alle interessierten HSV Fans sind eingeladen mitzukommen. Kosten betragen inklusive Anfahrt, Übernachtung und Frühstück 25,- Euro (15,- für Schüler*innen, Studierende und Erwerbslose).

Anmelden bis zum 13.3.2020 an netze@hsv.de Abfahrt ist am 27.3.2020 um 16 Uhr und zurück sind wir am 29.3.2020 um ca. 17 Uhr.

Rechtsradikale Personen im Umfeld des Hamburger Sport-Verein

In den letzten Tagen und Wochen wurde der Hamburger Sport-Verein in den Medien vermehrt mit rechtsradikalen Personen in Verbindung gebracht.

Durch eine Exif-Recherche rückte zuletzt erneut Bernd Tödter in den medialen Fokus, auf den die NSU-Watch bereits im Jahr 2013 aufmerksam machte. Damals hieß es:

„Mit einigen Kameraden, die zum Teil aus seiner “alten” Bad Segeberger Struktur kamen und ebenfalls in Kassel gelandet waren, gründete er 2003 einen Fanclub des Hamburger Sportvereins, die HSV Pit Bull’s, die seit 2006 auch als eingetragener Dartsport-Verein im Ligabetrieb spielen. Seine damalige Kasseler Lebensgefährtin und sein bis 2005 im sächsischen Zwickau wohnender Bruder traten gar als Vorsitzende eines Dartsportbund Deutschland auf. Neonazis aus dem Kreis der HSV Pit Bull’s waren es auch, die 2004 im nordhessischen Wethen über Wochen hinweg eine kurdische Familie terrorisierten, bis diese schließlich das Dorf verließ“ (Quelle: https://www.nsu-watch.info/2013/04/nicht-aufregend-und-gar-nicht-geheim/).

Bekannt wurde die Person Bernd Tödter dabei auch dadurch, dass dieser angab in Kassel die NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt getroffen zu haben. Als er zu diesen Geschehnissen in den Zeugenstand im Rahmen des NSU-Prozess gerufen wurde, konnte Tödter sich an derartige Treffen allerdings nicht mehr erinnern. Neben seinem HSV Fanclub übernahm Tödter auch die Neonazigruppe „Sturm 18 Kassel“ und organisierte weitere neonazistische Organisationen wie eine rechtsradikale Gefangenhilfe. In Bad Segeberg tötete er 1993 einen Obdachlosen. Die Gefahr die von Tödter ausgeht ist daher unter keinen Umständen zu unterschätzen. Die NSU-Watch führte zur Person Tödter weiter aus:

„Der 38-Jährige Tödter ist das, was man gemeinhin eine “tickende Zeitbombe” nennt. Eine Spur der Gewalt zieht sich seit 20 Jahren durch seine Vita. 1993 tötete er in Bad Segeberg aus neonazistischer Gesinnung heraus einen Obdachlosen, saß dafür eine mehrjährige Jugendstrafe ab“ (Quelle: https://www.nsu-watch.info/2013/04/nicht-aufregend-und-gar-nicht-geheim/).

Nach seiner längeren Haftstrafe wohnt Bernd Tödter nun wieder in Bad Segeberg und versucht dort massiv, für die durch ihn neugegründete Neonazigruppe „Aryan Circle“ zu rekrutieren. Zuletzt trat diese Gruppierung in Erscheinung, als sie in Sülfeld zwei Personen angriffen, die im Ort angebrachte Mobilisierungs-Flyer der Gruppierung entfernten (Quelle: https://segeberg-bleibt-bunt.org/sonstiges).

Wir rufen alle HSV-Fans und vor allem diejenigen aus Bad Segeberg dazu auf, sich nicht vor seinen Karren spannen zu lassen und sich auf allen Ebenen von seiner Person sowie seiner Gruppe konsequent zu distanzieren! Seid solidarisch und lasst nicht zu, dass andere Menschen von dieser rechtsextremen Gruppierung eingeschüchtert werden!

Wer sich solidarisch zeigen möchte und nicht in Kiel beim Auswärtsspiel ist, dem empfehlen wir die Teilnahme an der Demo „Wir sind Mehr – Bad Segeberg bleibt Bunt!“ Diese findet Samstag den 09. November 2019 um 13:00 parallel zum Auswärtsspiel in Kiel statt.

Wir stehen momentan in engem Kontakt mit der Fanbetreuung, um zu überprüfen ob Bernd Tödter noch Mitglied im Hamburger Sport-Verein ist und ob der Fanclub HSV-Pittbulls noch den Status eines offiziellen Fanclubs innehat.

Weitere Informationen findet Ihr hier:

www.segeberg-bleibt-bunt.org
http://www.wethen.de/pitbull2.htm
https://www.nsu-watch.info/2013/04/nicht-aufregend-und-gar-nicht-geheim/
https://exif-recherche.org/?p=6428

Für Aufsehen sorgte in den letzten Wochen zudem ein Wahlkampfordner des Faschisten Björn Höcke in einer Jacke des HSV Supporters Club, der in einem Beitrag von Spiegel TV zu sehen ist. Das Hamburger Abendblatt berichtete in der Folge mehrfach über eine eventuelle Mitgliedschaft des Ordners im Hamburger Sport-Verein.

Grund für diese Annahme war dabei, dass diese Jacke offiziell nur an Mitglieder des HSV verkauft wird. Relativ schnell erkannte das Hamburger Abendblatt allerdings, dass naheliegender Weise auch die Möglichkeit besteht über Dritte an eine derartige Jacke zu kommen.

Auch währen der „Hamburger Michel, Wach Auf!“ Demonstrationen wurden in der Vergangenheit öfters Personen in Kleidung mit Bezug zum Hamburger Sport-Verein gesichtet. Dies zu unterbinden ist zu diesem Zeitpunkt leider genauso unmöglich wie die betreffenden Personen anhand von Fotos, die keinen Rückschluss auf die Identität der Person erlauben, aus dem Verein auszuschließen.

Nichtsdestotrotz sehen Wir es als unsere Aufgabe an klarzustellen, dass weder Bernd Tödter und sein Fanclub noch Höckes faschistische Ideologie in unserem Verein etwas verloren haben! Rassismus und Faschismus sind keine Meinung, sondern ein Verbrechen.

Love Hamburg – Hate Racism!

Frauen, Fans, Fußball – Über die Situation beim HSV

Frauen sind ein wichtiger Teil in Europas Fußballfankurven. Die Ausstellung „Fan.Tastic Females – Football Her.Story“ zeigt Biografien von verschiedensten weiblichen Fans aus unterschiedlichen europäischen Ländern. Sie alle eint die bedingungslose Liebe zu ihrem Verein. Auch in Hamburg und bei unserem HSV gibt es zahlreiche weibliche Fußballfans, die sich im Vereinsleben oder der Fankultur engagieren. Darüber hinaus gibt es beim HSV auch Spielerinnen, Mitarbeiterinnen und in der Vergangenheit mit Katja Kraus auch eine Funktionärin.

In diesem Rahmen veranstaltet das Netzwerk Erinnerungsarbeit eine Podiumsrunde und lässt vier Frauen vom HSV zu Wort kommen.

Wie ist die Situation bei ihrem Verein?

Welche Entwicklungen nehmen sie wahr?

Haben sie Erfahrung mit Diskriminierung und Zurückweisung als Frauen beim HSV gemacht und wenn ja, welche Strategien haben sie dagegen entwickelt?

Welche Wünsche haben sie an den Verein und die Fanszene?

Diese und weitere Punkte diskutieren:

Geneviève Favé (HSV-Fanprojekt)

Nicola Menke (Leitung der HSV-Stiftung „Der Hamburger Weg“)

Paula Scholz (Nordtribüne Hamburg, Netz E)

Julia Zeyn (Referentin Koordinationsstelle Fanprojekte, Promotionsstipendiatin FH Potsdam zum Thema „Politische Praktiken in der Fußballfanszene“).

Moderiert wird die Veranstaltung von Nicole Selmer (Journalistin, Ballesterer Fußballmagazin).

Ort: Klabauter Theater Hamburg, Jungestraße 7a, Nähe S-Bahn Berliner Tor

Zeit: Donnerstag, 4.10.2018, 18 Uhr

Eintritt frei

Link zur Facebook-Veranstaltung

Ausstellungszeitraum: 23.09.-06.10.2018, HSV-Museum im Volksparkstadion (täglich 10-18 Uhr, an Heimspielen bis 15 Minuten vor Spielbeginn)

Bitte bringt Kopfhörer und ein Smartphone mit QR-Funktion mit. Teile der Ausstellung werden auch bei der Veranstaltung „Frauen, Fans, Fußball beim HSV“ gezeigt.

Link zur Internetseite der Ausstellung

 


 

Veranstaltungsreihe „Fussball war schon immer unpolitisch“

„Fußball war schon immer unpolitisch“ – Eine Veranstaltungsreihe des Netzwerk Erinnerungsarbeit im HSV

Ob von Verbänden, Fankurven oder Funktionären, seit es den Fußball in Deutschland gibt, wird immer wieder die Behauptung laut, dieser sei unpolitisch. Dabei beweisen uns beispielsweise fanpolitische Forderungen nach bezahlbaren Ticketpreisen oder Auftritte von ranghohen Politiker*innen bei Länderspielen regelmäßig das Gegenteil. Die Auffassung, wer sich gegen Diskriminierung einsetzt, bringe Politik in Stadion, wird allerdings nicht nur von extrem Rechten geteilt.

In verschiedenen Formaten wollen wir uns mit dieser Veranstaltungsreihe zu den Themen Fußball, Politik, Nationalsozialismus und rechter Szene auseinandersetzen. Nicht immer hängen all diese Dinge direkt miteinander zusammen. Dennoch gab und gibt es immer wieder Überschneidungen, auf die es sich lohnt, einen genaueren Blick zu werfen.

Zu den Veranstaltungen

NETZwerk Erinnerungsarbeit

Das Netzwerk Erinnerungsarbeit ist ein Zusammenschluss von HSV-Fans, Mitarbeiter*innen aus dem Verein, dem Fanprojekt und Supporters Club. Als im Januar 2016 die Ausstellung über den „Hamburger Fußball im Nationalsozialismus“ im Rathaus gezeigt wurde, entstand bei einigen der Wunsch, das Thema auch beim HSV mehr in den Fokus zu rücken.

So treffen sich seit dem in regelmäßigen Abständen ein Netzwerk bestehend aus der Fanbetreuung, dem Fanprojekt, dem HSV-Museum, Nordtribüne e.V., Poptown Hamburg, Supporters Club und der aktiven Fanszene. Ziel ist es, Erinnerungsarbeit und nationalsozialistische Aufarbeitung mehr in den Fokus zu rücken, Projekte gegen Diskriminierung voran bringen und sich zu diesen Themen zu vernetzen.

Bisher wurden unter anderem Fahrten in die KZ-Gedenkstätte Neuengamme im Rahmen des Workshops „HSV im Nationalsozialismus“ sowie eine Veranstaltung mit dem Thema „Kutten, Hools, Ultras die Fanszene im Wandel“ organisiert. Außerdem zeigten wir beim Auswärtsspiel in Leipzig am 27.1.2018, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, ein Spruchband gegen Antisemitismus.

Wer treffen uns mindestens monatlich im HSV-Fanhaus. Wer mitmachen will, ist herzlich willkommen. Meldet euch bei Interesse, aber auch bei Fragen, Kritik und Anregung hier per Mail: NetzE@hsv.de