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24.07.1985 – In Gedenken an Mehmet Kaymakcı

Am Sonntag, den 24. Juli, jährte sich zum 37. Mal der Mord an Mehmet Kaymakcı. Er wurde 1985 aus rassistischen Motiven in Hamburg-Langenhorn mit einer Betonplatte erschlagen. Einer der drei Täter war HSV-Fan.

Mehmet Kaymakcı wurde 1956 in Haymana, in der Nähe der türkischen Hauptstadt Ankara, geboren und kam 1980 nach Deutschland. Dort befindet sich heute auch sein Grab. Am Tatort im Kiwittsmoor-Park im Hamburger Stadtteil Langenhorn erinnert erst seit letztem Jahr ein Gedenkstein an ihn.

Das Bild zeigt den Gedenkstein, der an Mehmet Kaymakcı erinnert

Gedenkstein in Erinnerung an Mehmet Kaymakcı

Die rassistische Dimension des Mordes wurde – wie auch bei anderen rechtsmotivierten Morden in den 1980er-Jahren in Hamburg – von staatlicher Seite ignoriert und bestritten. Die Angehörigen der Opfer wurden alleingelassen. Sie müssen bis heute für ein würdiges Andenken kämpfen

Die Notwendigkeit für uns als HSV, sich mit dem Mord an Mehmet Kaymakcı auseinanderzusetzen und sich gegen Rassismus zu positionieren, ergibt sich nicht nur aus der Tatbeteiligung eines HSV-Fans. Als bedeutender Verein unserer Stadt haben wir auch eine Verantwortung, an die Opfer rassistischer Gewalt in Hamburg zu erinnern. Mit der Sonderausstellung „Ins rechte Licht gerückt – Der Einfluss von rechts auf die HSV-Fanszene der 1980er-Jahre“  haben wir einen ersten Schritt gemacht, dem noch viele weitere folgen müssen. Wir können weiterhin nur sehr empfehlen, diese Ausstellung zu besuchen.

Am Sonntag, den 24.07.2022, fand im Kiwittsmoor-Park eine Gedenkveranstaltung statt, die von der „Initiative zum Gedenken an Ramazan Avcı“, Gülüstan Avcı sowie Faruk Arslan und dem Bezirksamt Hamburg-Nord organisiert wurde. Da der HSV zeitgleich spielte, haben wir das Gedenken am Spieltag ins Stadion getragen und unsere Anteilnahme durch ein Trauergesteck am Gedenkstein für Mehmet Kaymakcı im Kiwittsmoor-Park ausgedrückt.

Das Bild zeigt ein Spruchband, das das Gedenken an Mehmet Kaymakcı ausdrückt.

Spruchband in Erinnerung an Mehmet Kaymakcı

Weitere Hintergründe zum Fall finde sich unter https://mehmet-kaymakci.de.

Wir gedenken Mehmet Kaymakcı – Mehmet Kaymakcı’yı anıyoruz

24 temmuz Pazar günü Mehmet Kaymakcı’nın ırkçı cinayetinin yıl dönümü kutlandı. Üç katilden biri HSV’lı futbol takımının taraftarıydı.

Mehmet Kaymakcı 1956 yıllında Ankara’ya yakın bir yerde olan Haymana’da doğdu ve 1980’de Almanya’ya gitti. Mezarı memleketi Haymana’da bulunmaktadır. Hamburg-Langenhorn’da Kwittsmoor Parkı’nında öldürülen Mehmet Kaymakcı’yı anmak için geçen sene olay yerine bir anıt taşı dikilmiştir.

1980’li yıllarda ırkçı nedenlerle işlenen cinayetler siyasi yetkililer tarafından yok sayılmış ve bu cinayetler ırkçı cinayet olarak kabul edilmemiştir. Kurbanların yakınları yalnız bırakılmış olup bu güne kadar, kurbanların anıları için savaşmak zorunda kaldılar.

HSV olarak Mehmet Kaymakcı cinayetiyle ilgilenmemiz ve bugün ırkçılığa karşı konumlanmamız gerekliliği sadece bir HSV taraftarının bu suça karışmasından kaynaklanmamaktadır. Şehrimizdeki önemli bir dernek olarak, Hamburg’daki ırkçı şiddet mağdurlarını anma sorumluluğumuz da var. HSV Müzesi’nde düzenlenen „Ins rechte Licht gerückt – Der Einfluss von rechts auf die HSV-Fanszene der 1980er Jahre“ özel sergisi ile bu sergilerin devamının gelmesi için gereken ilk adımı attık. bu sergiyi ziyaret etmenizi önemle tavsiye ediyoruz.

Anma etkinliği 24.07.2022 Pazar günü saat 15.00’te KiwittsmoorPark, Hohe Liedt’te gerçekleşti ve „Ramazan Avcı Anma Girişimi“, Gülüstan Avcı, Faruk Arslan ve Hamburg-Nord Bölge Ofisi  tarafından düzenlendi „.Aynı zamanda anma törenini oynanan HSV maç günü stadyuma taşıdık ve Mehmet Kaymakcı için yapılan anıt taşında cenaze töreni düzenlendi. Daha fazla bilgi için https://mehmet-kaymakci.de

Mitschnitt der Podiumsdiskussion – Folge 9 unseres Podcasts

Immer wieder werden Personen in Deutschland aus rassistischen Motiven beleidigt und angegriffen. 1985 starben Mehmet Kaymakçı und Ramazan Avcı nach Angriffen, bei denen die Täter teilweise aus der HSV-Fanszene kamen. Solingen, Mölln, Halle und Hanau waren keine Einzelfälle, sondern rechte Gewalt passiert alltäglich. In der Vergangenheit wurde viel darüber geschwiegen, auch im Fußball und beim HSV.

Was heißt das für uns heute? Was können wir tun? Darüber haben wir uns am 10. Mai 2022 im Rahmen einer Podiumsdiskussion im Haus des Sports mit unseren Gäst*innen unterhalten. Das Gespräch haben wir in Form einer Podcast-Folge aufbereitet.

Die Diskussionsteilnehmer*innen:

  • Ibrahim Arslan ist Opfer und Überlebender der rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992, Bildungsaktivist und Mitgründer des Freundeskreises für das Gedenken an die rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992.
  • Ünal Zeran lebt seit Beginn der 1980er in Hamburg, ist fußballbegeisterter Fachanwalt für Migrationsrecht, engagiert sich seit 35 Jahren gegen Rassismus in verschiedenster Ausprägung und unterstützt Opfer rechter Gewalt.
  • Geneviève Favé arbeitet seit 1986 im HSV-Fanprojekt, hat während dieser Zeit verschiedenste Projekte gegen Diskriminierung mit unterschiedlichen Fans durchgeführt und engagiert sich im Netzwerk Erinnerungsarbeit.
  • Florian Schubert beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Diskriminierung, rechter Gewalt und Initiativen in Fanszenen und Vereinen dagegen, ist Lehrer an einer Stadtteilschule und hat zu Antisemitismus im Fußball promoviert.

Moderatorin:

  • Paula Scholz ist Teil des Netzwerk Erinnerungsarbeit und des Ausstellungsteams.

Weiterführende Infos:

  • Ünal Zeran erzählt, dass die Prozessakten des Prozesses gegen Beteiligte am Mord an Razam Avcı im „Schwarzmarkt“ anzusehen sind. Den Infoladen Schwarzmarkt findet man unter der Adresse Kleiner Schäferkamp 46 in Hamburg.
  • Initiative zum Gedenken an Ramazan Avcı
  • Informationen zum Gedenken an Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân aus der Halskestraße 72 könnt Ihr hier finden.
  • Am 21. Mai 2022 wurde der Dichterin und Arbeiterin Semra Ertan zu ihrem 40. Todestag gedacht. In diesem Jahr fand die Gedenkveranstaltung von 14 – 14:30 Uhr an der Kreuzung Simon-von-Utrecht-Straße / Detlev-Bremer-Straße und von 15 – 17:00 Uhr im Arrivati-Park statt. Die Initiative ist hier zu finden.
  • Zum Gedenken an die Opfer des Anschlags von Mölln findet Ihr hier alle wichtigen Informationen.
  • Die Podiumsdiskussion ist Teil des Begleitprogramms zur Ausstellung „Ins rechte Licht gerückt“

Sexualisierte Gewalt im Fußball – Folge 8 unseres Netzwerk-Podcasts

Viele Frauen erleben beim Fußball sexualisierte Gewalt – aber nur wenige sprechen bisher darüber. Wieso das so ist, was sexualisierte Gewalt mit Sexismus zu tun hat und welche Umgangsstrategien es dafür gibt, thematisieren wir in der neuesten Folge unseres Podcasts. Wir durften hierfür Rebekka vom Frauennotruf Hamburg interviewen und mit ihr über den Ankerplatz, das Netzwerk gegen Sexismus und sexualisierte Gewalt sowie die Situation in den aktiven Fanszenen sprechen.

Vielen Dank an Rebekka und alle anderen, die bei dieser Folge mitgewirkt haben! Und danke an alle, die sich seit Jahren gegen Sexismus und sexualisierte Gewalt beim Fußball stark machen!

Ihr könnt diese Folge, wie alle anderen, auch bei Spotify hören: https://open.spotify.com/episode/7hD8MIYI7zZTNMhs6jaQ2b?si=f3b04ddb1a954385

Shownotes:

„Sexualisierte Gewalt beim HSV – Wir wollen nicht länger wegschauen!“: http://netzwerk-erinnerungsarbeit.de/?p=520

Frauennotruf Hamburg: https://www.frauennotruf-hamburg.de/

Anlauf- und Schutzstelle Ankerplatz: https://www.hsv.de/fans/fanbeauftragte/projekte/anlauf-und-schutzstelle-ankerplatz

Netzwerk gegen Sexismus und sexualisierte Gewalt: https://www.fussball-gegen-sexismus.de/

Handlungskonzept gegen sexualisierte Gewalt im Zuschauer*innensport Fußball: https://www.fussball-gegen-sexismus.de/wp-content/uploads/2019/12/Brosch%c3%bcre_Handlungskonzept_Auflage_3.pdf

Online-Podium zu sexualisierter Gewalt im Fußball: https://m.facebook.com/Homophobie/videos/onlinetalk-sexualisierte-gewalt-im-fu%C3%9Fball/1040885113075607/

Die Idee mit den Sprachnachrichten haben wir von einem anderen Podcast geklaut: https://open.spotify.com/episode/5R92Iz2gVDbzD3ITU9k0HM

Wir erinnern an die Verfolgten und Ermordeten durch das NS-Regime

Am 27.01.1945 wurde das Konzentrationslager in Auschwitz durch die Rote Armee befreit. Dieser Jahrestag bildet den Anlass für den heutigen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Auch wir wollen an die Verfolgten und Ermorderten durch das NS-Regime erinnern und weisen dafür auf die nachfolgenden Biografien von Margit Zinke, Harald Tachau, James Lewié, Norbert Prenzlau und Asbjørn Halvorsen hin.

Die Biografien hängen auch an der Gedenktafel am Volksparkstadion und an den für diese Personen verlegten Stolpersteinen im und um das Hamburger Grindelviertel aus. Nutzt die verschiedenen Möglichkeiten des Gedenkens am Stadion und in der Stadt: Die Gedenktafel am Volksparkstadion ist heute bis 14:30 zugänglich, die in Hamburg verlegten Stolpersteine findet ihr hier.

Nichts und niemand ist vergessen!

Margit Zinke (*18.01.1914, München; † 21.04.1945, KZ Neuengamme)

© Gedenkstätte Neuengamme
© Gedenkstätte Neuengamme

Margit Zinke, geb. Fleischner, war kommunistische Widerstandskämpferin während der Zeit des Nationalsozialismus und zuvor als Hockeyspielerin beim HSV aktiv. Von ihrer leiblichen Mutter zur Adoption freigegeben, zog sie mit ihren Adoptiveltern im Jahre 1924 nach Hamburg, wo sie u.a. eine katholische Privatschule am Holzdamm (St. Georg) besuchte. Die Entdeckung ihrer Adoption führte zum Bruch mit ihren Eltern und so zog sie 1934 bei ihren Eltern aus und heiratete im Folgejahr den Polizisten und späteren Hafenarbeiter Heinrich Speckin, den sie in ihrer Zeit beim HSV kennengelernt hatte. Aus der Ehe, die 1942 in einer Scheidung endete, gingen drei Kinder hervor.

Als sie 1943 in den Falkenried 26 (Hoheluft-Ost) zog, lernte sie ihren Nachbarn, den Elektriker Paul Zinke kennen, der trotz Verbot in der KPD und im antifaschistischen Untergrund aktiv war. Auch Margit war erklärte Gegnerin des Nationalsozialismus und in der Nachbarschaft durch regimekritische Aussagen aufgefallen. U.a. ist dokumentiert, dass sie bekannten drastischen Sanktionen zum Trotz, eine im Hof befindliche Hakenkreuzfahne abhing. Nachdem Margit im Juni 1944 die gemeinsame Tochter Ursula zur Welt gebracht hatte, heiratete das Paar im Juli.

Während Paul der Wehrmacht dienen musste, gewährte Margit freigelassenen und flüchtigen Widerstandskämpfern Unterschlupf, ehe zunächst der wieder heimgekehrte Paul am 27. November 1944 und dann Margit am 03./04. Februar 1945 verhaftet wurden. Das Ehepaar stand auf Liquidationslisten der Gestapo, die es sich unmittelbar vor der sich abzeichnenden Niederlage Nazideutschlands zur Aufgabe gemacht hatte, insbesondere Oppositionelle und Widerstandskämpfer*innen zu ermorden. Margit wurde am 21. April 1945 im KZ Neuengamme erhängt.

Fritz Harald Tachau ( * 21.10.1904, Hamburg; † 30.01.1943, KZ Auschwitz)

Fritz Harald Tachau | © Archiv des HSV-Museums
© Archiv d. HSV-Museums

Harald Tachau war jüdischer Bankkaufmann und seit 1917 im HSV als Sportler und Trainer aktiv. Tachau besuchte zunächst die Eppendorfer Oberrealschule, bevor er dann 1914 bis 1922 das Heinrich-Hertz-Gymnasium besuchte. Es folgte eine Banklehre, die er zwei Jahre später erfolgreich abschloss, jedoch hatte er in den Folgejahren angesichts der Hyperinflation und der Weltwirtschaftskrise immer wieder mit Entlassungen zu kämpfen. Im Oktober 1931 landete er nach einem Erpressungsversuch im Gefängnis, nachdem Tachau und sein Bekannter Herbert Schulz dem ebenfalls im HSV aktiven Karl Rave gedroht hatten, ihn als homosexuell zu outen, sollte er ihnen nicht 200 RM zukommen lassen.

Harald Tachau selbst war als schwuler Jude gleich doppelt im Visier der NS-Verfolgung und wurde deshalb ab 1937 mehrfach inhaftiert. Im Dezember 1937 kam er im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel in Schutzhaft und wurde wegen “Unzucht mit Männern” im März des Folgejahres zu einem Jahr Haft verurteilt. Nach seiner Freilassung im Dezember 1938 wurde er ab Juli 1939 zu Zwangsarbeit in einem jüdischen Arbeitslager verpflichtet, wo ihm ein Verhältnis zu einer nicht-jüdischen Ehefrau eine Anklage wegen des NS-Straftatbestandes der “Rassenschande” einbrachte, die in einer dreijährigen Haftstrafe mündete.

Immer wieder wendete sich Tachau in seiner Gefängniszeit in Briefen an jüdische Hilfsorganisationen, um vergeblich seine Emigration nach Beendigung seiner Haftstrafe vorzubereiten. Nachdem seine Haftzeit im Oktober 1942 endete, wurde er am 19. November 1942 nach Auschwitz deportiert, wo er am 30. Januar 1943 starb.

Norbert Prenzlau (* 26.05.1865, Altona; † 01.09.1942, KZ Theresienstadt)

Norbert Prenzlau war ein jüdischer Kaufmann und ab 1926 Mitglied im HSV. Gemeinsam mit seiner Frau Olga Prenzlau und ihren zwei Söhnen lebte er in der Curschmannstraße 6 (Hoheluft-Ost). Das Ehepaar wurde im Zuge der antisemitischen Verfolgung im Nationalsozialismus aus ihrer Wohnung vertrieben und musste in ein “Judenhaus” in der Frickestraße (Eppendorf) ziehen. Dort bekamen sie ihre Deportationsbefehle und wurden von einer Sammelstelle an der Moorweide am 15. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert.

Aufgrund ihres hohen Alters hatte das Paar besonders unter den katastrophalen Bedingungen im Lager zu leiden. Bereits wenige Wochen nach ihrer Ankunft verstarb Olga am 09. August 1942, ehe einige Wochen später auch Norbert am 1. September starb.

James Lewié (* 30.08.1884, Hamburg; † 1941, Riga)

James Lewié war ein jüdischer Kaufmann und HSV-Mitglied ab 1924. Nach seinem Besuch der Talmud-Tora-Schule machte Lewié eine kaufmännische Lehre in einem Kolonialwaren- und Drogeriegeschäft. Hiernach machte er sich als Anzeigenvertreter selbstständig und vermittelte aus seinem Büro in der Hamburger Innenstadt gegen Provision Annoncen an Frauenzeitschriften. Während des Ersten Weltkriegs diente Lewié als Soldat in verschiedenen Garnisonen. Aus seiner ersten Ehe, die 1923 in einer Scheidung endete, gingen ein Sohn und eine Tochter hervor. Lewié heiratete 1925 Elisabeth Christiansen (geb. Hess), die zwei Kinder aus erster Ehe hatte.

Lief sein Geschäft bis in die 1930er Jahre erfolgreich, verlor er in Folge der NS-Repressionen nach und nach sein Einkommen. Er verschaffte sich Mitte der 1930er Jahre durch gefälschte Papiere Provisionen für nicht-existente Aufträge, wurde jedoch vom Geschädigten im Sommer 1937 zunächst nicht angezeigt. Seine Kinder emigrierten 1935 nach Palästina und 1938 nach China, seine Ehefrau ließ sich am 07. Juli 1938 von ihm scheiden und James Lewié musste aus der gemeinsamen Wohnung an der Brahmsallee 24 (Harvestehude) ausziehen. Elisabeth nahm ihren alten Namen aus erster Ehe wieder an und emigrierte im April 1939 nach Argentinien. Später gab sie 1958 zu Protokoll, ihr Mann habe ihr später nach Argentinien folgen sollen, nachdem sie durch den Verkauf der Wohnung und des Hausstandes seine Steuerschulden beglichen hatte.

Erstmals fiel Lewié im November 1938 einer Verhaftungswelle zum Opfer und kam in das KZ Sachsenhausen. Zunächst kam am 15. Dezember desselben Jahres wieder frei. Jedoch wurde er bald wieder inhaftiert, als im Februar 1939 der Juniorchef des Zeitschriftenbetriebes nun doch Strafanzeige stellte, sodass Lewié erst zu einem Jahr und sechs Monaten Zuchthaus verurteilt wurde. Diese Strafe wurde dann noch einmal durch ein laufendes Verfahren wegen Steuerhinterziehung um 200 Tage verlängert, da Lewié in seiner Mittellosigkeit wohl aus der für Juden geltenden Vermögensabgabe stammende Steuerschulden nicht begleichen konnte. Nach erfolglosen Versuchen, das Geld aufzutreiben, wurde Lewié jedoch noch vorzeitig aus der Haft entlassen, nachdem sein Anwalt ein erfolgreiches Gnadengesuch einreichte, das sich auf einen Gnadenerlass von Hitler für die Zivilbevölkerung stützte. Nachdem Lewié freikam, lebte er von Januar 1941 an zur Untermiete in der Isestraße 80 (Harvestehude), ehe er am 6. Dezember 1941 nach Riga deportiert und dort ermordet wurde.

Asbjørn Halvorsen (* 03.12.1898, Sarpsborg; † 16.01.1955, Narvik)

Asbjørn Halvorsen | © Riksarkivet Oslo
© Riksarkivet Oslo

Asbjørn Halvorsen gewann mit dem HSV zwei deutsche Fußball-Meisterschaften und wurde später von den Nazis als Widerstandskämpfer gefangen genommen. Geboren wurde er im norwegischen Sarpsborg, wo er bereits mit 16 Jahren als fester Teil der ersten Mannschaft des Sarpsborg FK überzeugte. Er war in der Schifffahrtsbranche tätig und verließ Norwegen 1921 aus beruflichen Gründen, um nach Hamburg zu ziehen. Schnell fand er seinen Platz in der erfolgreichen Mannschaft des HSV und gewann mit ihr 1923 und 1928 die Deutsche Meisterschaft. Halvorsen war einer der ersten ausländischen Stars im deutschen Fußball und in Hamburg, wo er u.a. am Hallerplatz 12 (Harvestehude) wohnte, ausgesprochen populär.

Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn kehrte er 1933 nach Norwegen zurück und übernahm verschiedene Funktionen im dortigen Fußballverband. Als Norwegen 1940 von den Nationalsozialisten besetzt wurde, beteiligte sich Halvorsen an der Organisation des Widerstands im Sport und an der Verteilung verbotener Zeitungen. Dies führte im August 1942 zu seiner Verhaftung, in deren Anschluss er von der Gestapo über mehrere Nächte hinweg gefoltert wurde. Knapp ein Jahr später wurde er in das KZ Natzweiler im besetzten französischen Elsass deportiert. Dort wurde er in verschiedenen Arbeitskommandos eingesetzt, sein Zustand verschlechterte sich zusehends.

Anfang April 1945 wurde er aus dem KZ Vaihingen bei Stuttgart, in das er zwischenzeitlich gekommen war, durch das schwedische Rote Kreuz gerettet. Über das KZ Neuengamme erreichte er noch vor endgültigem Kriegsende Schweden und kehrte Ende Mai 1945 nach Norwegen zurück. Dort war er wieder in der Organisation des Fußballs tätig, die ihn 1953 zurück nach Hamburg zu einem WM-Qualifikationsspiel zwischen Norwegen und Deutschland im Volksparkstadion führte. Am 16. Januar 1955 wurde Asbjørn Halvorsen im Alter von 56 Jahren tot in seinem Hotelzimmer im norwegischen Narvik gefunden. Seine Zeit in deutschen Konzentrationslagern und die dort erlittenen Verwundungen führten zu seinem frühen Tod.

Quellen: www.stolpersteine-hamburg.de, Gedenkstätte Neuengamme, HSV Museum, Riksarkivet Oslo

Aufruf: Wie wollen wir gedenken?

Vor genau einem Jahr, am 27.1.2020, weihte der HSV auf Initiative des Netzwerk Erinnerungsarbeit eine Tafel in Gedenken an die Verfolgten des NS-Regimes ein. Seitdem steht diese Tafel nun am Eingang Nord-Ost neben dem Eingang zur Raute.

Wir freuen uns über diesen wichtigen Schritt, denken aber auch, dass es damit nicht getan ist. Gedenken ist ein stetiger und aktiver Prozess, der mit dem Aufstellen einer Tafel nicht beendet ist. Doch wie wollen wir als HSV diesen Prozess angehen? Wie möchten wir als Verein in Zukunft Mitgliedern der HSV-Familie, die im Nationalsozialismus verfolgt, deportiert und ermordet wurden, gedenken? Diese Frage ist sicherlich nicht nur von einzelnen Gruppen, Personen oder Institutionen unseres Vereins zu beantworten. Viel mehr sollte dies das Ergebnis von konstruktiven Gesprächen und einem Austausch sein.

Daher nutzen wir das heutige Datum, um euch nach euren Meinungen zu fragen: Habt ihr Ideen, Wünsche oder Anliegen in Hinblick auf das zukünftige Gedenken in unserem Verein? Wie würdet ihr Euch ein würdiges Gedenken in unserem Verein wünschen? Welche Projekte schweben Euch vielleicht sogar schon vor? Welche Fragen habt ihr rund um ein gemeinsames Gedenken im Verein?

Wir planen, am 27.4.2021 eine Online-Veranstaltung mit Expert:innen vom HSV und darüber hinaus durchzuführen, wo wir ein Teil eurer Antworten mit einfließen lassen wollen. Also sendet gerne vorab eure Fragen, Anregungen und Wünsche via E-Mail an: NetzE.HSV@mail.de

Netzwerk – Der Podcast vom Netz E

Liebe HSVer*innen,

mit „Netzwerk – Der Podcast vom Netz E“ startet das Netzwerk Erinnerungsarbeit ein eigenes Podcast-Format. In regelmäßigen Abständen wird sich unser Moderatoren-Team mit Gästen zu den vielfältigsten Themen rund um Antidiskriminierungs- und Erinnerungsarbeit im Fußballkontext – natürlich mit speziellem Fokus auf unseren HSV – austauschen.

In Folge 0 stellen wir nicht nur uns und die Idee hinter dem Podcast vor, sondern geben auch einen ersten Einblick in die Arbeit des Netzwerks. Als Gast steht dankenswerterweise Annabell – Netz E-Mitstreiterin der ersten Stunde – Rede und Antwort.

Viel Spaß beim Hören!

NETZwerk Erinnerungsarbeit

Das Netzwerk Erinnerungsarbeit ist ein Zusammenschluss von HSV-Fans, Mitarbeiter*innen aus dem Verein, dem Fanprojekt und Supporters Club. Als im Januar 2016 die Ausstellung über den „Hamburger Fußball im Nationalsozialismus“ im Rathaus gezeigt wurde, entstand bei einigen der Wunsch, das Thema auch beim HSV mehr in den Fokus zu rücken.

So treffen sich seit dem in regelmäßigen Abständen ein Netzwerk bestehend aus der Fanbetreuung, dem Fanprojekt, dem HSV-Museum, Nordtribüne e.V., Poptown Hamburg, Supporters Club und der aktiven Fanszene. Ziel ist es, Erinnerungsarbeit und nationalsozialistische Aufarbeitung mehr in den Fokus zu rücken, Projekte gegen Diskriminierung voran bringen und sich zu diesen Themen zu vernetzen.

Bisher wurden unter anderem Fahrten in die KZ-Gedenkstätte Neuengamme im Rahmen des Workshops „HSV im Nationalsozialismus“ sowie eine Veranstaltung mit dem Thema „Kutten, Hools, Ultras die Fanszene im Wandel“ organisiert. Außerdem zeigten wir beim Auswärtsspiel in Leipzig am 27.1.2018, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, ein Spruchband gegen Antisemitismus.

Wer treffen uns mindestens monatlich im HSV-Fanhaus. Wer mitmachen will, ist herzlich willkommen. Meldet euch bei Interesse, aber auch bei Fragen, Kritik und Anregung hier per Mail: NetzE@hsv.de