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Antisemitismus auf Hamburgs Straßen – Solidarität mit allen Jüdinnen und Juden

Da sich in den vergangenen Tagen verschiedene Fans des HSV öffentlich antisemitisch äußerten, möchten wir uns an dieser Stelle klar positionieren. Auch wenn der israelisch-palästinensische Konflikt für uns als Netzwerk Erinnerungsarbeit (Netz E) kein primäres Thema ist, ist es das Bekämpfen von Antisemitismus und allen anderen Formen der Diskriminierung im HSV schon. So hat nicht nur das Verhalten einiger HSV-Fans, sondern auch etliche antisemitische Vorfälle in diversen Städten Deutschlands, darunter auch Hamburg, gezeigt, wie präsent Antisemitismus beim HSV, beim Fußball und in unserer Gesellschaft insgesamt noch ist.

Vor zwei Monaten hat der HSV die Antisemitismus-Arbeitsdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) angenommen (www.hsv.de/news/hsv-uebernimmt-arbeitsdefinition-von-antisemitismus). Uns als Netz E ist es wichtig, diese mit Leben zu füllen und auf antisemitischen Hass in unserem Umfeld und in unserer Stadt aufmerksam zu machen.

Neben den Versammlungen in Berlin, Bremen oder auch Köln, gab es auch mehrere Kundgebungen in Hamburg, bei denen weite Teile der Teilnehmenden sich hinter antisemitischen Parolen versammelten. Bei der „Kundgebung zum Tag der Nakba“ am Samstag entlud sich dabei, wie auch in vielen anderen Städten Deutschlands, Antisemitismus offen und ungehemmt. Unter den Teilnehmenden dieser Veranstaltung befanden sich auch HSV-Fans.

In der Hamburger Innenstadt, unweit des Altonaer Bahnhofs skandierten Redner*innen der Veranstaltung den Slogan „Kindermörder Israel“ (https://t.co/7zwit9zjTZ), der an antisemitische Verschwörungserzählungen, wie die der Ritualmordlegende, anknüpft. Diese stammt aus dem Mittelalter und bezichtigte jüdische Menschen des Opfermordes an christlichen Kindern. Die Antisemitismusdefinition der IHRA fasst diese Verknüpfung unter israelbezogenen Antisemitismus (holocaustremembrance.com/de/resources/working-definitions-charters/arbeitsdefinition-von-antisemitismus).

Jener israelbezogener Antisemitismus zeigte sich in den letzten Tagen auch in einigen Äußerungen von HSV-Fans in den sozialen Medien. Beispielsweise in dem der Zionismus und/oder der Staat Israel mit dem Nationalsozialismus gleichgesetzt wurde. Eine solche Gleichsetzung bedient nicht nur offensichtliche Unwahrheiten sondern verhöhnt auch die Opfer des Nationalsozialismus, deren Nachfahren einen Großteil der israelischen Bevölkerung ausmachen. Derartige Vergleiche sind, nicht nur laut der IHRA-Definition, zweifelsfrei antisemitisch.

Für uns ist klar: Antisemitismus hat beim HSV und auf Hamburgs Straßen nichts zu suchen! Wer dafür sorgt, dass sich Jüdinnen und Juden in Deutschland an die Verbrechen der NS-Zeit erinnert fühlen und nicht angstfrei auf die Straßen gehen können, äußert keine Meinung. Deshalb haben Antisemit*innen in unseren Reihen keinen Platz und wir stellen uns gegen jeden Antisemitismus im Umfeld unseres HSV, der Stadt Hamburg und überall sonst.

Erinnerung bedeutet, die Gegenwart zu gestalten und aus der Vergangenheit zu lernen. Die Solidaritätskundgebung der Schalker Fan-Initiative mit der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen am vergangenen Freitag setzt deshalb das richtige Zeichen. Das, was wir gerade dafür tun können, dass Jüdinnen und Juden sich nicht alleine gelassen fühlen, ist öffentlich Haltung und Solidarität zu zeigen.

Menschen, die Betroffene oder Zeug*innen antisemitischer Äußerungen und Gewalttaten werden, können dies, neben der strafrechtlichen Verfolgung, melden. Dokumentation, Hilfe und Beratung findet ihr unter anderem bei: RIAS (report-antisemitism.de) und OFEK e.V. (ofek-beratung.de).

Gegen jeden Antisemitismus! In Solidarität mit den jüdischen Gemeinden in Hamburg und auf der ganzen Welt.