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Netzwerk Erinnerungsarbeit zum Julius-Hirsch-Preis

Das Netzwerk Erinnerungsarbeit bei der Verleihung des Julius-Hirsch-Preises 2022.

Das Netzwerk Erinnerungsarbeit wurde am 07. November mit dem Julius-Hirsch-Preis des DFB ausgezeichnet. Mit diesem Preis, der vor allem an den jüdischen Fußball-Nationalspieler Julius Hirsch erinnert, werden Personen, Initiativen und Vereine gewürdigt, die sich im Fußball gegen Diskriminierung engagieren.

Als Netzwerk Erinnerungsarbeit möchten wir uns an dieser Stelle besonders bei der Jury bedanken und vor allem auch den mit uns ausgezeichneten Initiativen und Personen herzlich gratulieren. Der erste Preis ging an den SV Blau-Weiß Grana für seinen Einsatz bei der Integration von geflüchteten und sozial benachteiligen Menschen. Den zweiten Preis erhielt der Dachverband Lernort Stadion e.V., der niedrigschwellige Bildungsangebote für Jugendliche in Fußballstadien anbietet. Mit dem Ehrenpreis der Jury wurde Burak Yilmaz für sein Engagement gegen Antisemitismus ausgezeichnet.

Das Netzwerk Erinnerungsarbeit (Netz E) hat sich 2016 gegründet und seitdem für Erinnerungsarbeit und gegen verschiedene Formen von Diskriminierung engagiert. Die Arbeit, die von der Organisation von Veranstaltungen bis zur Mitwirkung an einem Satzungsänderungsantrag im HSV e.V. reicht, zeichnete sich vor allem zu Beginn durch das Zusammenspiel von ehrenamtlich tätigen Fans und Mitarbeitenden aus dem Vereinsumfeld aus. Wir können heute sagen, dass eine Initiative wie das Netz E immer dann besonders stark ist, wenn auch das ehrenamtliche Engagement besonders groß ist und entsprechend gefördert wird. Unser Dank gilt daher auch den Institutionen in und um den HSV, die Teil des Netzwerks sind oder mit diesem in der Vergangenheit zusammengearbeitet haben, insbesondere das HSV-Fanprojekt, der HSV Supporters Club, das HSV-Museum und der Bereich HSV-Fankultur.

Das Netz E und die genannten Institutionen sind allerdings nur ein Teil der Anti-Diskriminierungsarbeit beim HSV. Wir sind sehr froh, dass es beim HSV auch viele weitere Fans gibt, die sich in ganz unterschiedlicher Weise für einen Fußball einsetzen, der offen für alle ist. Die auf einer Auswärtsfahrt einschreiten, wenn Menschen rassistisch beleidigt werden, die auf den weiterhin präsenten Sexismus im Stadion aufmerksam machen und die sich seit Jahrzehnten aktiv gegen Nazis in der Kurve wehren. Sie werden in der Regel dafür weder mit Preisen ausgezeichnet noch sonderlich beachtet. Ihr Beitrag ist dennoch von unschätzbarem Wert.

Für uns besonders wichtig ist darüber hinaus die Zusammenarbeit mit Initiativen außerhalb des Fußballkontextes. Wir profitieren regelmäßig von ihrer enormen Expertise und ihrem großartigen Engagement. Es ermöglicht uns vor allem unsere Perspektive auf Erinnerungs- und Anti-Diskriminierungsarbeit zu weiten und diese Zugänge mit unserer Arbeit beim HSV zu verbinden. Wir möchten die Verleihung des Julius-Hirsch-Preises nutzen, um uns bei all diesen Initiativen und den dahinterstehenden Menschen für ihr Vertrauen und ihren Einsatz zu bedanken! Ganz besonders beim Frauennotruf Hamburg, der Vereinigung Kinder vom Bullenhuser Damm, dem Freundeskreis in Gedenken an die rassistischen Brandanschläge in Mölln und der Initiative zum Gedenken an Ramazan Avcı. Das Preisgeld möchten wir daher gerne mit diesen Initiativen teilen.

Im Fokus der Auszeichnung stand die Sonderausstellung „Ins rechte Licht gerückt – Der Einfluss von rechts auf die HSV-Fanszene der 1980er Jahre“  im HSV-Museum. In den 1980er Jahren wurden mindestens drei Personen unter Beteiligung von rechten HSV-Fans ermordet: Adrian Maleika, Mehmet Kaymakçı und Ramazan Avcı. Ohne die Beteilung der Angehörigen wäre diese Ausstellung nicht möglich gewesen. Die Auszeichnung mit dem Julius-Hirsch-Preis gilt auch ihnen.

Auch in Zukunft wollen wir weiter kritisch auf Entwicklungen und Zustände im Fußball schauen. Sei es bei uns im Volksparkstadion, das noch immer kein Wohnzimmer für alle ist. Sei es bei unserem Verein, von dem wir uns manchmal noch mehr Engagement wünschen. Sei es beim DFB, der Anti-Diskriminierungsarbeit nicht immer so wichtig nimmt, wie er sollte.

Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung, die für uns nicht nur Wertschätzung bedeutet, sondern vor allem Motivation, uns auch in Zukunft für einen HSV einzusetzen, der Verantwortung für die Vergangenheit übernimmt und sich für einen Fußball für alle engagiert.

Netzwerk Erinnerungsarbeit, November 2022