Zur Person Tomasz Froelich: Rechtsextreme Positionen offenlegen – Solidarität mit antirassistischen Fan-Initiativen!

Vor rund sechs Wochen machte der stellvertretende Bundesvorsitzende der Jungen Alternativen (Jugendorganisation der AfD), Tomasz Froelich, in sozialen Netzwerken auf sich aufmerksam. Einen mutmaßlichen Angriff auf AfD-Mitarbeiter an einem Wahlstand, nahm der Pressesprecher der AfD im EU-Parlament zum Anlass, die Einführung von Schlägertrupps, oder in seinen Worten „stabiler Leute“ zu fordern, damit „Ruhe“ sei. Diese sollten passenderweise den Namen Sicherheitsdienst tragen. Sicherheitsdienst, kurz SD, hieß der Geheimdienst der NSDAP und der Schutzstaffel (SS) zur Zeit des Nationalsozialismus.

Dürfte viele Menschen dieser Vorschlag seitens eines AfD-Politikers wenig überraschen, so stellt er für uns doch den Anlass dar, sich der Person Tomasz Froelich genauer anzunehmen. Denn dieser ist nicht nur AfD-Politiker, sondern auch HSV-Fan. Aus seiner Leidenschaft für den Verein und auch die Glasgow Rangers macht er keinen Hehl, im Gegenteil. Lange Zeit zierten sein Instagram-Profil die Farben beider Klubs und auch auf Facebook und Twitter waren die Vereinsnamen Teil seines Auftritts. Via Instagram verbreitete sich anschließend auch ein Bild, was vor dem Ibrox Park, Spielstätte der Glasgow Rangers, mit anderen Menschen aus dem Umfeld des HSV aufgenommen wurde. Dieses diente antifaschistischen Recherchegruppen als Beleg, dass Froelich durch seine langjährige Nähe zu Hooligan-Kreisen, seinen markigen Worten auch Taten folgen lassen kann.

Unter dem Vorwand, die gezeigten Personen aus seinen öffentlichen und politischen Äußerungen herauszuhalten, wehrte sich Froelich gegen die Weiterverbreitung des Bildes in Verbindung mit seinen Aussagen. Der von Fans geführten Facebook Seite „HSV Fans gegen Rechts“ drohte er mit Schadensersatzforderungen, da angeblich Arbeitgeber*innen von dem Posting Wind bekommen hätten. Neben dieser überzogenen und juristisch vollkommen haltlosen Drohung, argumentierte Froelich auch, dass Vergleiche seiner Äußerungen mit Strukturen aus der NS-Zeit die Taten des Nationalsozialismus verharmlosen und den Opfern nicht gerecht werden würden. Eine interessante Aussage, wenn man bedenkt, was Parteigrößen der AfD wie Björn Höcke oder Alexander Gauland regelmäßig an Relativierungen und Verharmlosungen zu Nazi-Deutschland vom Stapel lassen.

Waren es in den vergangenen Jahren fast ausschließlich die Derbys gegen Celtic und einige ausgewählte internationale Spiele, zu denen sich Froelich beim neuen HSV-Partner blicken ließ, so wagte er sich Ende des Jahres 2019 auch vermehrt wieder zu Auswärtsspielen des HSV, unter anderem in Osnabrück und Basel. Die Nähe, die er zur Fanszene suchte, ebbte schnell wieder ab. Jeglichen Ambitionen, sich im Umfeld der HSV-Fanszene zu bewegen, wurde von den aktiven Gruppen dann auch eine klare Absage erteilt.

Die Äußerung zu möglichen Schlägertrupps, die dazu führte, darf dabei getrost nur als Spitze des Eisberges betrachtet werden. Während seines Studiums in Wien begann Froelich, ehrenamtlich für das Ludwig von Mises Institut zu arbeiten. Dieses ist dafür bekannt, marktradikale Positionen zu vertreten, die z.B. einen Abbau von Sozialleistungen beinhalten, und zudem eng mit der AfD verbandelt zu sein. In der Konsequenz steht das Institut unter anderem für die Abschaffung des allgemeinen Wahlrechts und für ein Wahlrecht ein, dass nur solchen Menschen zugänglich sein soll, die keine Staatsleistungen erhalten (Quelle: https://andreaskemper.org/2020/05/05/degussa-und-antidemokratie/). Ähnliche Ansichten und Positionen vertrat Froelich auch in seinen Publikationen auf dem Blog „eigentümlich frei“. Diese beinhalteten unter anderem Artikel über die „deutsche Täuschungspresse“ (Quelle: https://ef-magazin.de/2016/10/03/9867-wahlsieger-oder-wahlverlierer-viktor-orbn-das-fluechtlingsreferendum-und-die-deutsche-taeuschungspresse) oder ein Interview mit dem Österreich-Chef der rechtsextremistischen Identitären Bewegung, Martin Sellner (Quelle: https://ef-magazin.de/2016/09/12/9764-interview-mit-martin-sellner-identitaere-bewegung).

Sein libertäres (staatliche Regulierung weitestgehend ablehnendes) Wirken und Positionen wie die, das staatliche Bildungssystem aufzulösen und zu privatisieren, ebenso wie den gebührenfinanzierten Rundfunk (Quelle: https://forum-freie-gesellschaft.de/thomasz-m-froelich-bildungsvielfalt-statt-bildungseinfalt/), brachten Froelich in die Rolle als Büroleiter von Jörg Meuthen. Zunächst im Landtag von Baden-Württemberg, dann in Brüssel. Doch seit kurzem dient Froelich nicht mehr Meuthen allein, sondern der gesamten AfD-Fraktion im europäischen Parlament. Konsequenterweise haben sich seine, für AfD-Verhältnisse, gemäßigten Töne im Meuthen-Stil dann auch gewandelt. Die Twitter-Bio wird nicht mehr von einem „Libertär“ sondern von einem „Rechts und gegen Umverteilung“ geziert. Dazu passt nun auch das gesamte Auftreten Froelichs. In den Beiträgen seines Facebook-Profils schreibt er diskriminierend von „aggressiven Nafris“, nutzt rassistische Zuschreibungen wie die „Vitalität von Orientalen und Afrikanern“ sowie die „Produktivität des Asiaten“ oder beschwert sich über die „Gendergrünglobohomoagenda“ und die „dauerhafte Verächtlichmachung von Weißen“. Auch der Deep State, Teil der rechtsextremen Verschwörungsideologie „QAnon“, kommt in Froelichs Thesen zu den USA vor.

Zusätzlich genießt er in seiner Rolle als Moderator des „Blick auf Brüssel“, sichtlich das Rampenlicht. Dort interviewt er EU-Abgeordnete seiner Partei zu unterschiedlichen Themen. Aussagen wie von Nicolaus Fest, der von „phänotypisch drei Männern, von denen zwei aber schwul sind“ spricht, werden von Froelich mit herzlichem Lachen begrüßt. Maximilian Krah bekommt bei ihm die Möglichkeit, über „Politik, die aus Washington vorgegeben wird“ zu sprechen und Bewegungen wie Black Lives Matter oder Fridays for Future als „Gesellschaftszerstörung“ zu bezeichnen. Zum Thema Migration darf Bernhard Zimniok in der Sendung von „Bevölkerungsauffüllung“ reden. Kurzum: Froelich fühlt sich wohl im neuen radikalen Gewand, das unter Meuthen noch nicht möglich war.

Auch ansonsten sind seine Positionen voll auf Linie der Flügelfraktion (völkisch-rechtsextreme Gruppierung in der AfD, die offiziell aufgelöst wurde). Zur Situation geflüchteter Menschen auf Moria fällt ihm nur ein, dass „Europa überlaufen“ werde und es „unser gutes Recht, unsere Heimat zu bewahren“ sei. Geflüchtete müssten abgeschoben werden, denn „es sind jetzt schon zu viele davon bei uns“. Menschen lassen sich also in Gruppen einteilen, die eben häufig oder weniger häufig in Deutschland vertreten sein dürfen, nichts anderes implizieren Begrifflichkeiten wie „davon“. Generell spricht sich Froelich für die Abschaffung des Asylrechts aus, also die Abschaffung von Grundrechten (Quelle: https://www.jetzt.de/politik/krise-auf-lesbos-tomasz-froelich-von-der-jungen-alternative-zur-situation-der-gefluechteten).

Über die Linie seiner Partei hinaus ist Froelich auch im sonstigen rechten Spektrum bestens vernetzt. Neben einer Kolumne für den rechtspopulistischen Deutschlandkurier, nahm er auch Podcast-Folgen mit der rechtsradikalen Ein-Prozent Bewegung auf. Für beide Medien setzte er sich prominent ein, nachdem deren Youtube-Kanäle wegen menschenfeindlicher Inhalte gesperrt wurden. Seine Social-Media-Profile beinhalten zudem ein Who is Who der rechten Szene. Ob Corona-verharmlosende Scherze von Dubravko Mandic, gegen den bereits das dritte Parteiausschlussverfahren läuft, oder sexistische Gewaltfantasien gegen politisch Andersdenkende von Kollegen der JA, Schmerzgrenzen gibt es bei Froelich keine.

Statements wie das der Hamburger Fanszene (Quelle: http://xn--nordtribne-hamburg-t6b.de/2021/02/stellungnahme/) sind deshalb wichtig, damit Personen wie Froelich keinen Schulterschluss mit Fangruppierungen üben können. Dass Faschisten nicht mehr nur Springerstiefel und Glatze tragen, sondern ihren Kleidungsstil angepasst haben, wird auch hier deutlich. Als beinharter Casual trägt er Burberry Schal, Stone Island Jacke und New Balance Schuhe. Hinzu kommt seine verkürzte Kritik am Kapitalismus und dem „modernen Fußball“, die er mit Menschenfeindlichkeit verpackt. Die scheint für ihn allerdings weniger ein Problem zu sein, als der antirassistische Konsens vieler Fangruppierungen in den Kurven.

Dass dieser Konsens in Hamburg, auch dank Fan-Initiativen wie der Facebook Seite „HSV Fans gegen Rechts“ und Recherchegruppen, zu großen Teilen Einzug gefunden hat, ist ein großes Verdienst. Dies gilt es, gerade in Zeiten von gesellschaftlichen Rechtsrucktendenzen, zu verteidigen und auszubauen. Damit sich in Deutschlands Fankurven nicht nur weiße, gewaltbereite Männer, sondern auch alle anderen Teile der Gesellschaft wohlfühlen und ausleben können. Und damit Menschen wie Tomasz Froelich sich nicht mehr mit einem Lifestyle schmücken können, den sie politisch bekämpfen und ihren Menschenhass nicht mehr im Stadion ausleben können. Unsere Solidarität gilt daher den „HSV Fans gegen Rechts“ und allen anderen Engagierten, die aufgrund ihrer kritischen Haltung ins Visier rechter Hassrede geraten.

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