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„Fußball war schon immer unpolitisch“ – Eine Veranstaltungsreihe des Netzwerk Erinnerungsarbeit im HSV

Ob von Verbänden, Fankurven oder Funktionären, seit es den Fußball in Deutschland gibt, wird immer wieder die Behauptung laut, dieser sei unpolitisch. Dabei beweisen uns beispielsweise fanpolitische Forderungen nach bezahlbaren Ticketpreisen oder Auftritte von ranghohen Politiker*innen bei Länderspielen regelmäßig das Gegenteil. Die Auffassung, wer sich gegen Diskriminierung einsetzt, bringe Politik in Stadion, wird allerdings nicht nur von extrem Rechten geteilt.

In verschiedenen Formaten wollen wir uns mit dieser Veranstaltungsreihe zu den Themen Fußball, Politik, Nationalsozialismus und rechter Szene auseinandersetzen. Nicht immer hängen all diese Dinge direkt miteinander zusammen. Dennoch gab und gibt es immer wieder Überschneidungen, auf die es sich lohnt, einen genaueren Blick zu werfen.

Dienstag, der 3. April, 20 Uhr

Lichtmess-Kino

Gaußstraße 25 (S-Bahnhof Altona)

Filmvorführung: „Blut muss fließen“ mit anschließender Fragerunde mit dem Regisseur Peter Ohlendorf

Eintritt kostet 5,- Euro

Der Sänger grölt Gewaltparolen, die Neonazis toben, die Arme gehen hoch zum Hitlergruß: Als der Journalist Thomas Kuban zum ersten Mal ein Neonazi-Konzert mit versteckter Kamera dreht, ermöglicht er Einblicke in eine Jugendszene, in die sich kaum ein Außenstehender wagt. Neun Jahre später hat er fünfzig Undercover-Drehs hinter sich. Hochbrisant und einzigartig ist das Material, das er unter extremen persönlichem Risiko zusammengetragen hat. Er dokumentiert hautnah, wie junge Leute mit Rechtsrock geködert und radikalisiert werden.

Thomas Kuban ist ein Pseudonym eines Journalisten, der jahrelang undercover bei Rechtsrockkonzerten unterwegs war, woraus unter anderem dieser Film entstanden ist.

Mittwoch, der 18. April, 19 Uhr
Dock Europe, Ex Viktoria-Kaserne, Bodenstedtstraße 16, Hinterhof Eingang West (Bushaltestelle Max-Brauer-Allee)
Buchvorstellung: „Hooligans“ mit dem Autor Robert Claus

Hooligans sind eine der ältesten Jugendkulturen in Deutschland. Seit 40 Jahren prügelt sich die Szene und erwies sich gegen alle Repression als enorm lernfähig. Über die Jahrzehnte hat sie sich ausdifferenziert, erneuert und zum Teil professionalisiert. Es sind nicht mehr die betrunkenen Schläger, die diese Szene prägen, sondern organisierte Fights von international vernetzten Kampfsportlern, wenngleich der Einfluss von Rechtsextremen unvermindert hoch bleibt. Die Gewalt russischer Hooligans bei der Euro 2016 in Frankreich erlaubte einen kurzen Einblick.
Robert Claus hat sich der Szene in seinem Buch intensiv gewidmet: Er sprach mit einem Ex-Hooligan in dessen Yoga-Studio über vergangene Jahrzehnte, recherchierte in russischen Internetforen, um die Vernetzung nach Deutschland zu analysieren und besuchte von Hooligans organisierte MMA-Events, um die Professionalisierung der Szene live zu beobachten. Auf der Veranstaltung wird er uns seine Eindrücke schildern, auch um über die Faszination von Gewalt und Folgen für die Präventionsarbeit zu diskutieren.

Robert Claus, Jahrgang 1983, forscht und publiziert wissenschaftlich sowie journalistisch zu den Themen Rechtsextremismus, Hooliganismus und Fankultur.

Donnerstag, der 26. April, 18 Uhr

Start: Parkplatz vor der Shell-Tankstelle gegenüber vom S-Bahnhof Dammtor

Stadtteilrundgang: „Grindel und Rothenbaum – Die Geschichte des HSV und seiner jüdischen Mitglieder“ mit Dirk Mansen

Ein Stadtteilrundgang durch die Geburtsgeschichte des HSV von den frühesten Anfängen bis zum Umzug in den Volkspark. Das jüdische Leben im Grindel war ein wichtiger Aspekt in der Historie und es wird, neben den Schauplätzen der Vereinsgeschichte, auch auf die Lebensgeschichte jüdischer Mitglieder eingegangen. Auf dem Weg entdecken wir viele traditionsreiche Orte der HSV-Geschichte wieder.
Der Rundgang dauert zwei Stunden und wird in der Nähe des S-Bahnhofes Dammtor enden, wo wir noch gemeinsam bei einem abschließenden Stopp mit der Möglichkeit nach einem Getränk unsere Eindrücke diskutieren können.

Dirk Mansen (Hamburg) baute das HSV-Museum mit auf, leitete es jahrelang und war maßgeblich für die Sonderausstellung „Die Raute unter dem Hakenkreuz – Der HSV im Nationalsozialismus“ verantwortlich.

Dienstag, der 8. Mai, 19 Uhr

Werkstatt 3, Nernstweg 32 (S-Bahnhof Altona)

Vortrag: „Versteckspiel – Lifestyle, Symbole und Codes von Neonazis und extrem Rechten“ mit Michael Weiss

Was für Außenstehende unauffällig ist, hat für diejenigen, die ein Symbol (er-)kennen oder einen Code entschlüsseln können, eine klare Bedeutung. Politische Symbole drücken bildhaft eine Weltanschauung aus, doch ihre Funktion reicht weit über den Transport einer politischen
Botschaft hinaus: Sie dienen als Erkennungszeichen für Gleichgesinnte und vermitteln ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Rechter Lifestyle ist zugleich ein Markt, der jährlich viele Millionen Euro umsetzt. Extrem Rechte vermarkten Dutzende von Bekleidungsmarken, die oftmals als solche
nicht zu erkennen sind. Sie suchen und finden ihre Kundschaft in vielen Szenen, so beispielsweise unter Fußballfans.
Der Vortrag beleuchtet die Codes, die Symbole und den Lifestyle der extrem Rechten und insbesondere deren Anschlussstellen zu Fußballszenen.

Michael Weiss, geboren 1966, ist Bildungsreferent des Antifaschistischen Pressearchivs und Bildungszentrum (apabiz) und der Agentur für Soziale Perspektiven (ASP) in Berlin. Sein Beschäftigungsschwerpunkt ist seit über 20 Jahren der „Rechtsrock“. Er arbeitet derzeit im Projekt „Grauzonen und rechte Lebenswelten in den Jugendkulturen“ der ASP.

Freitag, der 1. Juni, 18-22 Uhr, Volksparkstadion

Samstag, 2. Juni, 10-18 Uhr, KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Workshop: „HSV im Nationalsozialismus“ des Netz E

Teilnahme kostet 10,- Euro

Der HSV schloss wie alle anderen bürgerlichen Vereine im Nationalsozialismus seine jüdischen Mitglieder aus und ordnete sich dem neuen Regime unter. Doch was wissen wir noch Genaueres über den HSV zu der Zeit? Und wie war der Fußball vor und während der NS-Zeit organisiert? Welche Rolle spielte Fußball im KZ Neuengamme?
Neben einer Führung durch das HSV-Museum sowie durch die KZ-Gedenkstätte Neuengamme arbeiten die Teilnehmenden in Kleingruppen zu einzelnen Biographien und Aspekten der nationalsozialistischen Vergangenheit im Fußball und beim HSV.

Wir sorgen vor Ort an beiden Tagen für Verpflegung. Zur Fahrt nach Neuengamme werden wir die Möglichkeit einer gemeinsamen An- und Abreise mit Kleinbussen von einem S-Bahnhof im Hamburger Zentrum anbieten. Bitte meldet euch vorher verbindlich mit Vor- und Nachname, Geburtsdatum und gerne Fanclub (falls vorhanden) unter netze@hsv.de an. Der Workshop ist auf 20 Teilnehmende begrenzt.

Workshop ‚HSV im Nationalsozialismus‘ // 05.01.2018 & 06.01.2018

Vortrag und Podiumsdisskusion ‚Kutten, Hools, Ultras – Die Fanszene im Wandel‘ // 22.02.2017

Heute wird Erinnerungs- und Gedenkarbeit zum Nationalsozialismus von verschiedenen rechten Seiten immer wieder in Frage gestellt. Das Netzwerk Erinnerungsarbeit setzt sich gegen das Vergessen ein und hat dazu eine neue Ausgabe des Workshops „HSV im Nationalsozialismus“ für euch vorbereitet. Unser Angebot  richtet sich an alle HSV-Fans. Wir wollen in dem Workshop nicht nur den Fußball im Nationalsozialismus betrachten, sondern auch exemplarisch die Rolle des HSV in dieser Zeit beleuchten. Es wird u.a. Führungen durch das HSV-Museum sowie die KZ-Gedenkstätte Neuengamme und Arbeit in Kleingruppen zu einzelnen Aspekten und ausgewählten Biographien geben. Gemeinsam mit euch wollen wir an diesen beiden Tagen über die NS-Vergangenheit und ihre Bedeutung für unsere Zeit sprechen.

„‚Kutten, Hools, Ultras – Die Fanszene im Wandel‘ handelt von der (politischen) Geschichte der aktiven Fanszene des HSV. Ihr werdet einen Eindruck davon erhalten wie es im „echten“ Volkspark abging, wie die Kutten sich in der Westkurve entwickelten, wie die Hooligans beim HSV entstanden sind, wie schließlich die Ultras den Weg auf die Nordtribüne fanden, wie diese das Kurvenbild beeinflussten und immer noch beeinflussen. Im Anschluss gibt es eine Podiumsdiskussion über genau das Thema unter Berücksichtigung der politischen Entwicklung unteranderem mit Vertretern der Ultra‘- und Hooligan-Szene. Wir hoffen auf zahlreiches Erscheinen. Bis dahin. Nur der HSV!“